Hören, lauschen, lernen -
Förderung der Phonologischen Bewusstheit im Vorschulalter

Ein Projekt zur Prävention von Lese-Rechtschreib-Problemen

Viele Kinder haben Schwierigkeiten beim Lesen- und Schreibenlernen. Untersuchungen haben gezeigt, dass die Phonologische Bewusstheit* eine ganz wesentliche Grundlage dieses Lernprozesses und für die Entwicklung dieser Fähigkeit das Vorschulalter eine äußerst sensible Phase ist. Präventive Maßnahmen sollten also schon im Kindergarten ansetzen und so hat die Universität Würzburg das Trainingsprogramm "Hören, lauschen, lernen" für Vorschulkinder erarbeitet. Jungen und Mädchen, die Defizite in der Phonologischen Bewusstheit zeigen, können damit von Erzieherinnen im letzten Jahr vor der Einschulung systematisch und besonders intensiv gefördert werden.

2001 hat die Familienberatungsstelle der Stadt Regensburg in den städtischen Kindertagesstätten mit einem entsprechenden Präventions-Modellprojekt begonnen. 2006 ist unsere Beratungsstelle "ins Boot geholt" worden mit dem Ziel, auch die Stadt-Kindergärten in katholischer Trägerschaft in diese präventive Maßnahme einzubinden.

Das Projekt umfasst

  • eine theoretische Einführung für Erzieherinnen in das Konzept der Phonologischen Bewusstheit
  • ihre fachliche Unterstützung bei der Durchführung des 20 Wochen umfassenden Trainingsprogramms (ca. November bis Mai)
  • eine Anleitung zur Vorauswahl der Kinder mit Schwierigkeiten in der Phonologischen Bewusstheit
  • die letztendliche Auswahl der "Risikokinder" mit Hilfe von Individualtestungen durch Fachmitarbeiterinnen der Erziehungsberatungsstelle
  • eine Nachtestung nach Abschluss des Trainingsprogramms, um die Fortschritte der Kinder aufzuzeigen


Unsere Beratungsstelle ist 2006 mit der Betreuung von drei Kindergärten in das Projekt eingestiegen - inzwischen sind es sechzehn!

 
Die Stadt Regensburg, der dieses Projekt ein großes Anliegen ist, stellt Gelder für die Finanzierung von Honorarkräften zur Verfügung. Ohne diese zusätzlichen Fachkräfte könnte unsere Beratungsstelle die große Zahl von Testungen in einem Zeitraum von ca. 2 Monaten zu Beginn des Kindergartenjahres nicht bewältigen.

Daniela Groß
- Projektleitung -
Nicola Sinz, Dr. Anika Keppler, Michaele Hönick
- Honorarkräfte -

*Was ist Phonologische Bewusstheit?
Sie lässt sich definieren als Gefühl für die gesprochene Sprache und die
Einsicht, dass Sprache sich nicht nur aus Worten, sondern aus kleineren Einheiten, aus Silben und Lauten zusammensetzt.

Worte in Laute zerlegen und aus Lauten Wörter bilden zu können, ist grundlegend für das Erlernen von Lesen und Schreiben.
Die Aufmerksamkeit gilt dabei nicht der inhaltlichen Bedeutung, sondern den formalen Aspekten von Sprache.
Phonologische Bewusstheit äußert sich im Vorschulalter in der Fähigkeit,
- Sätze in Wörter und Wörter in Laute (Phoneme) zu zerlegen,
- Reime zu erkennen und zu bilden,
- Wörter durch Klatschen in Silben zu zergliedern,
- Anfangs- und Endlaute eines Wortes hören und identifizieren zu können.
Sie ermöglicht später die Zuordnung von Lauten und Schriftzeichen und bildet somit neben visuellen Fähigkeiten und Gedächtnisleistungen die Grundlage des Schreib- und Leseprozesses.